Sprechen über Schmerzen

Cover: Menz / Lalouschek / Sator / Wetschanow / Blasch / Reisigl (2010): Sprechen über Schmerzen

Florian Menz, Johanna Lalouschek, Marlene Sator, Karin Wetschanow
unter Mitarbeit von Lisa Blasch und Martin Reisigl (2010):
Sprechen über Schmerzen

Linguistische, kulturelle und semiotische Analysen

Seiten: 296
E-Book: 26,90 €
ISBN:978-3-940251-75-6
Dieser Titel ist nur noch als E-Book verfügbar.

Dem Sprechen über Schmerzen kommt in der Diagnostik der traditionellen Medizin eine zentrale Rolle zu, denn Schmerzen gelten seit jeher als wichtige Krankheitssymptome. Die Kommunikation über Schmerzen gestaltet sich gleichwohl oft als schwierig, weil für eine subjektive Schmerzempfindung ein intersubjektiv nachvollziehbarer Ausdruck gefunden werden muss. Diese Schwierigkeit führt in der Kommunikation zwischen ÄrztInnen und PatientInnen häufig zu Problemen und gravierenden Missverständnissen, die bisher viel zu wenig reflektiert wurden.

Wie artikulieren PatientInnen ihre Schmerzen? Wie drücken sie Schmerz körpersprachlich, mimisch und gestisch aus? Welche soziokulturellen Überformungen und geschlechtstypischen Unterschiede spielen dabei eine Rolle? Welchen Einfluss übt der institutionelle Kontext auf das Gespräch aus? Worauf kommt es MedizinerInnen in der Kommunikation über Schmerzen an? Auf welche Probleme stoßen ÄrztInnen und PatientInnen beim gemeinsamen Sprechen über Schmerzen? In der linguistischen Diskursforschung zur Kommunikation zwischen ÄrztInnen und PatientInnen sind diese Fragestellungen bislang kaum bearbeitet worden. Die Beiträge des Bands Sprechen über Schmerzen, die allesamt einem diskurs- und gesprächsanalytischen Forschungsprojekt der Universität Wien entstammen, tragen dazu bei, diese Forschungslücke zu schließen. Sie setzen dabei auf einen differenzierten Zugang zu den vielfältigen Aspekten der Darstellung und des Ausdrucks von Schmerz. Die AutorInnen verbinden medizinische, kulturwissenschaftliche und semiotische Perspektiven mit empirischer Forschung, welche in detaillierte qualitative Analysen authentischer Gespräche und quantifizierende Auswertungen texttypbezogener und geschlechtstypischer Kategorien mündet. Das methodologische Vorgehen der Kombination verschiedener theoretischer und methodischer Herangehensweisen folgt der Tradition des „Wiener“ Ansatzes der Diskursanalyse. Es gewährleistet gute Anschlussfähigkeit an die medizinische Forschung, ohne die Stärken der Diskurs- bzw. Gesprächsanalyse zu vernachlässigen.


Aus dem Inhalt

Johanna Lalouschek
Medizinische und kulturelle Perspektiven von Schmerz
1 Einleitung
2 Die Klassifizierbarkeit von Schmerz
3 Schmerz und Medizinformen
4 Soziokulturelle Dimensionen von Schmerz

Martin Reisigl
Prolegomena zu einer Semiotik des Schmerzes
1 Zum Verhältnis der Medizin zur Semiotik
2 Die semiotischen Konzepte Charles S. Peirce’ und
ihre Relevanz für eine „Semiotik der Medizin“
3 Roland Barthes’ semiologischer Zugang zur Medizin
4 Sprachlich bzw. semiotisch relevante
Schmerzqualitäten
5 Die metaphorische, metonymische und vergleichende
Darstellung von Kopf- und Gesichtsschmerzen
6 Zwei Beispiele
7 Medizinsemiotik und Gesprächsanalyse
8 Zur Relevanz des medizinsemiotischen Zugangs –
Ein Resümee

Marlene Sator
Schmerzdifferenzierung
1 Ausgangspunkt
2 Gegenstandskonstitution
3 Untersuchungsleitende Fragen
4 Vorgangsweise und Datenmaterial
5 „Also. Wir, wir bleiben jetzt noch bei dem Kopfweh,
des vom Nacken her kommt.“
Fallanalyse eines
Erstgesprächs
6 „Irgendwie schwierig das zu differenzieren.“
Fallanalyse eines Erstgesprächs
7 „Oiso, ich hob zweierlei Arten von Kopfschmerzen.“
Fallanalyse eines Erstgesprächs

Lisa Blasch, Florian Menz & Karin Wetschanow
Texttypspezifische und gendertypische Unterschiede in
der Darstellung von Kopfschmerzen

 

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