Identitätskonstruktionen durch skripturale Variation mehrsprachiger Typografie im urbanen Raum

Irmi Wachendorff (2019):
Identitätskonstruktionen durch skripturale Variation mehrsprachiger Typografie im urbanen Raum

Seiten: 256
Buch: 45,00
ISBN:978-3-95605-054-1
E-Book: 45,00 €
ISBN:978-3-95605-055-8

(erscheint voraussichtlich Ende 2019)

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In ihrer Studie untersucht Irmi Wachendorff die soziale Funktion typografischer Gestaltung von multilingualen Texten in Stadträumen. Damit begibt sie sich in das bisher noch wenig beforschte Grenzgebiet zwischen Linguistik und Typografie.

Auf Grundlage zeichentheoretischer, soziolinguistischer, typografischer und sozialwissenschaftlicher Ansätze arbeitet die Autorin Wirkdimensionen und Bedeutungspotentiale grafischer Ressourcen heraus. Mit ihrer Arbeit veranschaulicht sie Konstruktion und Wahrnehmung von kulturellen Identitäten und sozialen Positionierungen durch Typografie im öffentlichen Raum.

Die Studie stützt sich auf einen Datensatz von 3000 Fotos textlicher Zeichen in der Dortmunder Nordstadt aus dem Korpus des Metropolenzeichen-Projekts an der Universität Duisburg-Essen. Die empirische Analyse umfasst die quantitative und qualitative Auswertung sowie die kartografische Geovisualisierung der Bilddaten. Ein besonderer Fokus der qualitativen Untersuchung liegt dabei auf der Koexistenz arabischer und lateinischer Schriftzeichen. Die beobachteten Ergebnisse werden durch 39 Leitfaden-Interviews mit Schilder- Produzent*innen und -Rezipient*innen gestützt.

Die grafische Gestaltung von Texten in Stadträumen ist ein in der Mehrsprachigkeits- und Linguistic-Landscape-Forschung bisher vernachlässigtes Forschungsfeld. Mit dieser Arbeit zeigt Wachendorff exemplarisch und detailliert, dass – und in welcher Weise – Typografie von erheblicher Relevanz für die Konstruktion und Wahrnehmung von Identitäten, Stereotypen und sozialer Positionierung in öffentlichen Stadträumen ist.

Inhalt

1 Kulturelle Identitäten und soziale Positionierungen durch multilinguale Texte
   im Stadtraum

2 Zeichentheoretische Ansätze für die Typografie
2.1 Typografische Ressourcen und Gestaltungsebenen
2.1.1 Skripturale Variation
2.1.2 Typografie als eigenständiges Zeichensystem
2.1.3 Typografische Ressourcen auf vier Gestaltungsebenen für den Stadtraum
2.1.4 Exkurs: Typografische Ressourcen auf vier Gestaltungsebenen für Graffiti-Tags im Stadtraum
2.2 Wirkdimensionen und Bedeutungspotentiale typografischer Mittel
2.2.1 Kommunikative und textuelle Orientierungsgrößen
2.2.2 Wirkdimensionen typografischer Ressourcen
2.2.3 Typografische Dispositive – Skripturale Dispositive
2.2.4 Ikonisch und analog motivierte Schriften versus arbiträre Schriften
2.3 Typografie als kommunikativer Akt sozialer Dimension
2.3.1 Skripturale Varianz als kommunikativer Akt
2.3.2 Kommunikative Bedeutung und semiotisches Wissen
2.3.3 Sprachwissenschaftliche Konzepte zur Analyse kommunikativer Bedeutung auf Schriftebene
2.4 Zwischenfazit

3 Identitäten in Stadträumen
3.1 Identität und soziale Positionierung
3.1.1 Identitätskonstruktion als kommunikative Praktik
3.1.2 Identitätskonstruktion als Stance taking
3.2 Globalisierung und kulturelle Identität
3.2.1 Das de-zentrierte Subjekt
3.2.2 Kulturelle Identität und nationale Identität
3.2.3 Globalisierung, Migration und Verstreuung
3.2.4 Global, lokal, glokal
3.2.5 Übersetzer*innen in hybriden Kulturen
3.3 Stadträume als mehrsprachige Landschaften
3.3.1 Die informative und symbolische Funktion der Sprache
3.3.2 Sichtbare Mehrsprachigkeit und Machtgefüge
3.3.3 Soziale Positionierung und Identitätskonstruktion durch mehrsprachige Typografie
3.3.4 Die Relevanz der Typografie für die Linguistic-Landscape-Forschung
3.4 Zwischenfazit

4 Typografische Analysen in Dortmund Nordstadt
4.1 Metropolenzeichen – Das Forschungsprojekt
4.2 Korpus und Daten
4.3 Der Ort Dortmund Nordstadt
4.4 Die Methoden
4.5 Quantitative Auswertung der Bilddaten
4.6 Qualitative Auswertung der Bilddaten
4.6.1 Wie wird soziale Positionierung durch typografische Mittel im urbanen Raum sichtbar?
4.6.2 Wird soziale Positionierung durch den Einsatz unterschiedlicher Schriftsysteme im urbanen Raum realisiert?
4.6.3 Welche Folgen der Globalisierung sind im urbanen Raum auf skripturaler Ebene für kulturelle Identitäten zu beobachten?
4.7 Qualitative Auswertung der Interviewdaten

5 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Irmi Wachendorff studierte Visuelle Kommunikation (Hochschule für Gestaltung, Offenbach), Typografie und Schriftgestaltung (Zürcher Hochschule der Künste) sowie Kunst- und Designwissenschaften (Folkwang Universität der Künste, Essen).
Gefördert von der Studienstiftung des Deutschen Volkes promoviert sie zurzeit an der Universität Duisburg-Essen zu Fragen der sozialen Dimensionen typografischen Handelns in urbanen Räumen.
Zuvor arbeitete sie sieben Jahre als Grafikdesignerin in Paris (Studio Apeloig), Sydney (Frost*Design) und Zürich (G+A) und gewann in dieser Zeit mehrere Auszeichnungen (Red Dot Design Award, SEGD). Als wissenschaftliche Mitarbeiterin war sie an der Folkwang Universität der Künste tätig. Sie lehrt regelmäßig als Dozentin für Typografie und Grafikdesign im Department of Typography and Graphic Communication an der University of Reading, UK.

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