Gesundheit durchs Fernsehen

Cover: Brünner (2011): Gesundheit durchs Fernsehen

Gisela Brünner (2011):
Gesundheit durchs Fernsehen

Linguistische Untersuchungen zur Vermittlung medizinischen Wissens und Aufklärung in Gesundheitssendungen

Seiten: 530
Buch: 59,90 
ISBN:978-3-940251-96-1
E-Book: 53,00 €
ISBN:978-3-940251-97-8

Gesundheitssendungen wollen Zuschauern aktuelle medizinische Informationen vermitteln, gesundheitsbezogenen Rat geben und zu gesunder Lebensführung anleiten. Wie aber werden diese Ziele verfolgt? Wie verständigen sich Moderatoren, Experten und Betroffene in den Sendungen miteinander und wie machen sie sich den Zuschauern verständlich? Wie funktioniert die Experten-Laien-Kommunikation und mit welchen Vermittlungsstrategien?

In »Gesundheit durchs Fernsehen« werden Gesundheitssendungen anhand umfangreichen Datenmaterials aus Gesundheitsmagazinen, Wissenschafts- und Talksendungen zu Medizin und Gesundheit sprachwissenschaftlich untersucht. Neben anschaulichen Erklärungen, erhellenden Vergleichen und überzeugenden Ratschlägen werden auch problematische oder misslungene Darstellungen aufgezeigt. Warum sind manche Sendungen erfolgreich, andere nicht?

Das Buch setzt keine speziellen Fachkenntnisse voraus. Es richtet sich nicht nur an LinguistInnen, sondern auch an JournalistInnen, Medieninteressierte, Angehörige von Gesundheitsberufen und an alle, die Fachwissen an Laien vermitteln wollen.

Die Kapitel sind in sich relativ abgeschlossen und können auch einzeln gelesen werden. Am Ende findet sich jeweils eine Zusammenfassung.
Zahlreiche Ausschnitte aus dem Datenmaterial dokumentieren anschaulich die Vielfalt der sprachlich-kommunikativen Formen und Funktionen, der Probleme und Lösungswege.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert:

Teil A beschreibt Gesundheitssendungen als Teil der öffentlichen Gesundheitsinformation, ihre Zwecke und Sendungsformate. Das typische „Personal“ und die wiederkehrenden Bausteine der Sendungen werden dargestellt, ihre Aufgaben, Funktionen und Schwierigkeiten analysiert.

Teil B behandelt Vermittlungsstrategien für medizinisches Wissen, die für die Ziele, den Erfolg oder Misserfolg der Sendungen von besonderer Bedeutung sind. Wie werden Fachbegriffe eingeführt und verständlich gemacht? Wie werden Verfahren der Veranschaulichung (z.B. Metaphern und Vergleiche) verwendet, um neues Wissen an Alltagserfahrungen und Vertrautes anzubinden? Mit welchen Erklärungsstrategien lassen sich fachliche Sachverhalte für Laien verstehbar machen? Wie werden verbreitete Vorstellungen und Laienwissen der Zuschauer aufgenommen und korrigiert? Welches Bild vom Laien entsteht dabei?

Teil C behandelt exemplarisch Wirkungsaspekte von Gesundheitssendungen und deckt medienbedingte Risiken auf. Wenn Betroffene als (gute oder schlechte) Vorbilder inszeniert werden, kann das für Zuschauer problematische Wirkungen haben. Wenn in Anrufsendungen individueller Rat gegeben werden soll, geraten Arzt-Moderatoren in Konflikt zwischen ihren verschiedenen Rollen und die mediale Inszenierung von Arzt-Patient-Kommunikation führt schnell zu enttäuschenden Ergebnissen.

Inhalt

01 Einleitung

Teil A: Öffentliche Gesundheitsinformation und Gesundheitssendungen im Fernsehen

02 Die Rolle der öffentlichen Gesundheitsinformation für medizinisches Wissen und Gesundheitshandeln

03 Die untersuchten Gesundheitssendungen: Datenmaterial und Analysemethoden

04 Gesundheitssendungen: Ein Thema – zwei unterschiedliche Formen der Aufbereitung

05 Das Personal in Gesundheitssendungen: Rollen, Aufgaben und Funktionen

06 Bausteine der Sendungen: Funktionen, Merkmale und Probleme

Teil B: Vermittlungsstrategien

07 Umgang mit Fachbegriffen

08 Verfahren der Veranschaulichung

09 Erklärungsstrategien

10 Thematisierung von Laienwissen und das Bild vom Laien

Teil C: Gesund durchs Fernsehen? Wirkungen und Nebenwirkungen des Mediums

11 Die Inszenierung von Vorbildern – am Beispiel von Diabetes-Patienten

12 Ärztlicher Rat in Anrufsendungen

Literaturverzeichnis

Anhang

Gisela Brünner studierte Germanistik, Latein und Pädagogik in Hamburg. Promotion in Osnabrück. Wissenschaftliche Mitarbeiterin in Düsseldorf und Dortmund. 1986 Habilitation. 1987 Zweite Staatsprüfung für das Lehramt der Sekundarstufen. Seit 1993 Professorin für Germanistische Linguistik an der TU Dortmund und Gastprofessuren an der Universität Wien.
Arbeitsschwerpunkte: Diskurs-/Gesprächsanalyse, Sprache in beruflichen und institutionellen Zusammenhängen, Fach- und Wirtschaftskommunikation, Experten-Laien-Kommunikation, Vermittlung kommunikativer Fähigkeiten.

 

Kritiken und Pressestimmen

„Im Fazit ergibt sich: Brünner bietet nicht nur Linguisten, sondern auch Journalisten, Medieninteressierten und Personen in Gesundheitsberufen einen umfassenden Überblick über Wissensvermittlung und Aufklärung in Gesundheitssendungen. Da sich das Buch an einen breiten Leserkreis wendet, der „mit der Vermittlung von Fachwissen an Laien zu tun [hat], mit didaktischen Aufgaben im weitesten Sinne“ (S. 8), werden „nicht die linguistischen Theorien, sondern die konkreten empirischen Analysen des Datenmaterials in den Vordergrund“ gestellt (S. 8). Die einzelnen Kapitel können unabhängig voneinander gelesen werden, sind leicht verständlich und setzen keine Fachkenntnisse voraus. Sehr detailliert werden diverse Gesundheitssendungen unter die Lupe genommen, verglichen und linguistisch analysiert. […]" (N. J. Hofferberth u. Dr. med. D. S. Sauer, in: Zeitschrift für Rezensionen zur germanistischen Sprachwissenschaft (ZRS), 2014, Band 0, Heft 0, ISSN (Online) 1867-1705, ISSN (Print) 1867-1691, June 2014)
Nina Jeanette Hofferberth, Goethe-Universität Frankfurt, Fachbereich Neuere Philologien, Institut für Linguistik
Dr. med. David Sebastian Sauer, Universitätsklinikum Düsseldorf, Frauenklinik
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„Als Linguistin vermag ich nicht zu sagen, inwieweit Medienmacher, die ja eine der anvisierten Zielgruppen des vorliegenden Bandes darstellen, von diesen Analysen profitieren und eventuell zu einer Optimierung ihres professionellen Gesprächsverhaltens angeregt werden. Für anwendungsorientierte SprachwissenschaftlerInnen liefert er mit Sicherheit eine Fülle von Impulsen. Für Leser mit eher theoretischem Interesse hätte die stärkere Auseinandersetzung mit wissenssoziologischen Aspekten, insbesondere Ansätzen zur Wissenskommunikation, eine zusätzliche Bereicherung bieten können. Dies widerspräche jedoch dem bewusst niedrigschwelligen Zugang, den die Autorin hier gewählt hat und der durch eine einfache, leicht verständliche, gelegentlich etwas überexplizite Sprache gestützt wird, die sich auch einem nicht-linguistischen Leserkreis erschließt. Das Buch ist sorgfältig ediert. Es finden sich nur kleine formale Mängel, die den Lesefluss nicht wesentlich stören. ... Alles in allem handelt es sich um ein lesenswertes Buch, das vor allem durch seine außerordentlich umfangreiche Datengrundlage sowie seine kenntnisreichen Beobachtungen zur Gesundheitskommunikation im Medium Fernsehen überzeugt und dem man viele Leser nicht nur aus dem Bereich der Linguistik, sondern gerade auch aus den hier untersuchten Praxisfeldern wünscht.“ (Martina Drescher, in: Zeitschrift für Angewandte Linguistik (ZfAL), 2013, Heft 59, S. 180-188)
Prof. Dr. Martina Drescher, Lehrstuhl für Romanische und Allgemeine Sprachwissenschaft, Universität Bayreuth

„Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Brünners Untersuchung zu Gesundheitssendungen die große Vielfalt der Möglichkeiten zur Vermittlung von Gesundheitswissen im Fernsehen auffächert, dabei deren Tauglichkeit im medialen Rahmen überprüft und letztlich auch den medialen Rahmen selbst hinsichtlich seiner kommunikativen Bedingungen für die Wissensvermittlung hinterfragt. Darüber hinaus wird vorgeführt, wie Analysen komplexer sprachlicher Handlungen dem wissenschaftlichen Qualitätsanspruch gerecht werden und dennoch auch für Nicht-LinguistInnen oder auch linguistische StudienanfängerInnen lesbar sein können.
Zur Handhabbarkeit der vermittelten Inhalte tragen sicherlich die einzelnen Inhaltsverzeichnisse am Beginn jedes Kapitels bei sowie die Häufigkeit metakommunikativer Kommentare im Text. Beide Verfahren sind ausgesprochen LeserInnen-freundlich und erhöhen die Transparenz hinsichtlich des Aufbaus der doch eher umfangreichen Kapitel erheblich. Wie in der Einleitung angekündigt, kann jedes Kapitel für sich gelesen werden, was zwar, wie ebenfalls angekündigt, für diejenigen LeserInnen, die mehrere Kapitel lesen, zu Redundanzen an manchen Stellen führt, welche aber wiederum zur Verstehenssicherung beitragen. Mittels zahlreicher Querverweise besteht außerdem die Möglichkeit, sich mühelos gezielt in einzelne thematische Bereiche zu vertiefen.
In Summe hat Brünner mit diesem Werk ein Musterbeispiel für die gelungene Vermittlung komplexer Sachverhalte publiziert.“ (Elke Brandner in: Gesprächsforschung. Online-Zeitschrift zur verbalen Interaktion. Ausgabe 13 (2012), Seite 204-213, abrufbar unter http://www.gespraechsforschung-ozs.de/heft2012/heft2012.html)
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„Das Buch besticht durch seine ausgesprochen gelungene, logische Gliederung, die akribische Analyse und Selektion geeigneter Beispiele sowie durch seinen sehr lesbaren Sprachstil, der trotz der Verwendung medizinischer und sprachwissenschaftlicher Fachbegriffe für alle adressierten Lesergruppen verständlich sein sollte. Jedem Kapitel ist ein separates Inhaltsverzeichnis vorangestellt, das den selektiven Leseprozess zu steuern hilft. Jedes Kapitel enthält am Ende ein Teilfazit, das die Ergebnisse des Kapitels noch einmal kurz zusammenfasst. Das untersuchte Material ist im Buch sehr gut aufbereitet und lässt die angesprochene interdisziplinäre Leserschaft auf ihre Weise von der Lektüre profitieren. Aus fachsprachlicher Sicht ein äußerst empfehlenswertes Buch, das sehr gute Einblicke in die Experten-Laien-Kommunikation im medizinischen Bereich gibt.“ (Ines-A. Busch-Lauer in: FACHSPRACHE 3-4/2012, S. 178–180)

Gisela Brünners Gesundheit durchs Fernsehen „wirkt äußert gelungen und durchdacht, was nicht zuletzt ihrer großen Expertise in diesem Bereich geschuldet ist. Beeindruckend ist speziell das umfangreiche Korpus, das über eine Dekade hinweg gesammelt wurde. Die Ausführungen sind leicht verständlich für Laien, weshalb die adressierten Zielgruppen guten Zugang zur Thematik finden können. Ferner ist die Analyse von Beispielsendungen anschaulich aufbereitet, um angehenden Experten den Einstieg in die Medizinkommunikation wie auch die Gesprächsanalytik zu erleichtern.
Ein Einsatz des Buchs in der universitären Lehre bietet sich geradezu an, um grundlegende Prinzipien der Experten-Laien-Kommunikation zu vermitteln. [...]
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es ein gelungenes (Lehr-)Buch ist, um dem interessierten Leser einen Überblick über öffentliche Gesundheitsinformation im Fernsehen zu verschaffen.“ (Shirley Beul, in: rezensionen:kommunikation:medien, 28. Oktober 2012, abrufbar unter http://www.rkm-journal.de/archives/10356)
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