OBST 89: Flucht_Punkt_Sprache

Cover: OBST 89/2016

Osnabrücker Beiträge zur Sprachtheorie (OBST)
Heft 89/2016: Flucht_Punkt_Sprache
(Hg.: Hermann Cölfen & Franz Januschek)

ISSN 0936-0271

Seiten: 241
Buch: 18,00
ISBN:978-3-95605-032-9
E-Book: 18,00 €
ISBN:978-3-95605-033-6

Jeder Sprachunterricht transportiert unausgesprochen seine eigene Voraussetzung: Verständigung ist möglich! Gleichgültig, wie groß die Distanz oder gar Feindschaft gegenüber einer Sprachgemeinschaft ist: Ihre Sprache zu lernen bedeutet immer auch den Erwerb von Mitteln, um sich mit ihren SprecherInnen zu verständigen (im umfassenden Sinn dieses Verbs). Umgekehrt bedeutet demzufolge die Weigerung, eine Sprache zu lernen oder zu vermitteln, Verständigungsmauern zu errichten oder zu zementieren.
In diesem Sinne ist Sprachvermittlung eminent politisches Handeln, gerade, weil sie nicht von bestimmten politischen Strategien vereinnahmt werden kann. In diesem Sinne greift es auch zu kurz, wenn man Flüchtlingen die deutsche Sprache bloß als „Handwerkszeug“ zur Orientierung im Lande vermitteln zu müssen glaubt. Erst wenn man Sprachvermittlung als Arbeit an der Verständigung begreift, wird klar, warum diese Arbeit auch für die Lehrenden eine Bereicherung darstellt: Denn Verständigung ist notwendigerweise wechselseitig. Sich für die Verständigungsarbeit mit den vielen von sehr weither zu uns Geflohenen zu engagieren, ist nicht bloß ein humanitärer Akt, sondern es ist das Ergreifen der Chance, unsere ergrauende Gesellschaft vor dem Abgleiten ins globale Hinterwäldlertum zu bewahren.
Mit OBST 89 soll allen an Sprachvermittlung an Flüchtlinge Beteiligten und Interessierten Informationen und Anregungen gegeben werden; in dem Band werden u.a. Vermittlungsprozesse beschrieben, Probleme analysiert und Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt.

 

Inhalt

Franz Januschek
„Flucht_Punkt_Sprache“: Editorial

Jürgen Erfurt
Fluchtpunkt Mayotte – und die Sprachen Frankreichs

Yannick Walthert
Kommunikative Herausforderungen bei der
Fallherstellung im Asylverfahren

Eduard Haueis
„Charab Al ...“ – Fluch(t)punkt Sprache im Roman
Ohrfeige von Abbas Khider

Constanze Spieß
„Zäune“ oder „bauliche Maßnahmen“ für eine „Festung Europa“
Das Sprechen über Fluchtbewegungen und Migrant*innen im
öffentlich-politischen Diskurs

Brigitta Busch
Sprachliche Verletzung, verletzte Sprache: Über den
Zusammenhang von traumatischem Erleben und
Spracherleben

Verena Plutzar
Sprachenlernen nach der Flucht
Überlegungen zu Implikationen der Folgen von Flucht und
Trauma für den Deutschunterricht Erwachsener

Christoph Bräuer & Darja Elster
Sprachunterricht mit unbegleiteten minderjährigen
Flüchtlingen – Reflexion eines situativen
Problemlöseversuchs

Daniela Schwarz
Das Pilotprojekt ‚Funky Wisdom‘ – Hip-Hop und Rap
als erster Einstieg in die deutsche Sprache

Eduard Haueis
Blinde Flecken in der didaktischen Wahrnehmung:
Alphabetisierung Erwachsener in der Zweitsprache
Deutsch

Manuela Böhm & Ulrich Mehlem
Fluchtpunkt Deutsch: Alphabetisierung von
Kindern mit Arabisch als Erstsprache in Frankfurter
Intensivklassen

Jana Gamper & Christoph Schroeder
Sprachliche Bildung für Neuzugewanderte
Ein Plädoyer für einen erwerbssequentiellen Ansatz

Claus Altmayer & Michael Dobstadt (v.i.S.d.P.)
Leipziger Erklärung der DaF/DaZ-Institute in Deutschland zur
sogenannten „Flüchtlingskrise“

Hagen Steinhauer
Rezension: Mathias, Alexa (2015): Metaphern zur
Dehumanisierung von Feindbildern. Eine korpuslinguistische
Untersuchung zum Sprachgebrauch in rechtsextremen Musikszenen

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