Gesundheitssendungen wollen Zuschauern aktuelle medizinische Informationen vermitteln, gesundheitsbezogenen Rat geben und zu gesunder Lebensführung anleiten. Wie aber werden diese Ziele verfolgt? Wie verständigen sich Moderatoren, Experten und Betroffene in den Sendungen miteinander und wie machen sie sich den Zuschauern verständlich? Wie funktioniert die Experten-Laien-Kommunikation und mit welchen Vermittlungsstrategien?
In »Gesundheit durchs Fernsehen« werden Gesundheitssendungen anhand umfangreichen Datenmaterials aus Gesundheitsmagazinen, Wissenschafts- und Talksendungen zu Medizin und Gesundheit sprachwissenschaftlich untersucht. Neben anschaulichen Erklärungen, erhellenden Vergleichen und überzeugenden Ratschlägen werden auch problematische oder misslungene Darstellungen aufgezeigt. Warum sind manche Sendungen erfolgreich, andere nicht?
Das Buch setzt keine speziellen Fachkenntnisse voraus. Es richtet sich nicht nur an LinguistInnen, sondern auch an JournalistInnen, Medieninteressierte, Angehörige von Gesundheitsberufen und an alle, die Fachwissen an Laien vermitteln wollen.
Die Kapitel sind in sich relativ abgeschlossen und können auch einzeln gelesen werden. Am Ende findet sich jeweils eine Zusammenfassung.
Zahlreiche Ausschnitte aus dem Datenmaterial dokumentieren anschaulich die Vielfalt der sprachlich-kommunikativen Formen und Funktionen, der Probleme und Lösungswege.
Das Buch ist in drei Teile gegliedert:
Teil A beschreibt Gesundheitssendungen als Teil der öffentlichen Gesundheitsinformation, ihre Zwecke und Sendungsformate. Das typische „Personal“ und die wiederkehrenden Bausteine der Sendungen werden dargestellt, ihre Aufgaben, Funktionen und Schwierigkeiten analysiert.
Teil B behandelt Vermittlungsstrategien für medizinisches Wissen, die für die Ziele, den Erfolg oder Misserfolg der Sendungen von besonderer Bedeutung sind. Wie werden Fachbegriffe eingeführt und verständlich gemacht? Wie werden Verfahren der Veranschaulichung (z.B. Metaphern und Vergleiche) verwendet, um neues Wissen an Alltagserfahrungen und Vertrautes anzubinden? Mit welchen Erklärungsstrategien lassen sich fachliche Sachverhalte für Laien verstehbar machen? Wie werden verbreitete Vorstellungen und Laienwissen der Zuschauer aufgenommen und korrigiert? Welches Bild vom Laien entsteht dabei?
Teil C behandelt exemplarisch Wirkungsaspekte von Gesundheitssendungen und deckt medienbedingte Risiken auf. Wenn Betroffene als (gute oder schlechte) Vorbilder inszeniert werden, kann das für Zuschauer problematische Wirkungen haben. Wenn in Anrufsendungen individueller Rat gegeben werden soll, geraten Arzt-Moderatoren in Konflikt zwischen ihren verschiedenen Rollen und die mediale Inszenierung von Arzt-Patient-Kommunikation führt schnell zu enttäuschenden Ergebnissen.
Inhalt
01 Einleitung
Teil A: Öffentliche Gesundheitsinformation und Gesundheitssendungen im Fernsehen
02 Die Rolle der öffentlichen Gesundheitsinformation für medizinisches Wissen und Gesundheitshandeln
03 Die untersuchten Gesundheitssendungen: Datenmaterial und Analysemethoden
04 Gesundheitssendungen: Ein Thema – zwei unterschiedliche Formen der Aufbereitung
05 Das Personal in Gesundheitssendungen: Rollen, Aufgaben und Funktionen
06 Bausteine der Sendungen: Funktionen, Merkmale und Probleme
Teil B: Vermittlungsstrategien
07 Umgang mit Fachbegriffen
08 Verfahren der Veranschaulichung
09 Erklärungsstrategien
10 Thematisierung von Laienwissen und das Bild vom Laien
Teil C: Gesund durchs Fernsehen? Wirkungen und Nebenwirkungen des Mediums
11 Die Inszenierung von Vorbildern – am Beispiel von Diabetes-Patienten
12 Ärztlicher Rat in Anrufsendungen
Literaturverzeichnis
Anhang
Gisela Brünner studierte Germanistik, Latein und Pädagogik in Hamburg. Promotion in Osnabrück. Wissenschaftliche Mitarbeiterin in Düsseldorf und Dortmund. 1986 Habilitation. 1987 Zweite Staatsprüfung für das Lehramt der Sekundarstufen. Seit 1993 Professorin für Germanistische Linguistik an der TU Dortmund und Gastprofessuren an der Universität Wien.
Arbeitsschwerpunkte: Diskurs-/Gesprächsanalyse, Sprache in beruflichen und institutionellen Zusammenhängen, Fach- und Wirtschaftskommunikation, Experten-Laien-Kommunikation, Vermittlung kommunikativer Fähigkeiten.